Julius Christ und Kathrin Marchand gewinnen Sprint-Titel bei den Ruder-Finals
Bei den diesjährigen "Finals", die als olympia-ähnliche Multisportveranstaltung ausgetragen werden und schwerpunktmäßig in Hannover stattfanden, waren Kathrin Marchand mit dem PR3 Mixed-Doppelzweier und Julius Christ mit dem Achter erfolgreich.
Im Rudern werden die Wettkämpfe auf der Sprintstrecke von 350 m anstatt auf der olympischen Distanz von 2000 m ausgetragen. Außerdem gibt es sowohl im Para-Bereich als auch bei den nicht beeinträchtigten Athleten nur jeweils eine Einzel- und eine Mannschafts-Bootsklasse für Frauen und Männer, so dass die Rennabstände kurz sind und die Zahl der Rennen inklusive Qualifikation überschaubar bleibt. Damit ist das Rudern sehr publikumsnah, was die große Anzahl an Zuschauern am Maschsee beweist.
Die Rennen in den Frauen- und Männer-Einern, Para-Mixed-Doppelzweier und Frauen- sowie Männer-Achter begeisterten allesamt mit engen Entscheidungen.
Auf den vier Bahnen verlangten die nötigen hohen Schlagzahlen und die jeweiligen Gegner den Athletinnen und Athleten alles ab.
Die Hannoveranerin Frauke Hundeling, hauptberuflich Schlagfrau des National-Doppelvierers, betonte bereits vor den Wettkämpfen: „Die 350 Meter sind kurz und knackig, aber es kann wirklich viel passieren auf dieser Strecke.“ Gleichzeitig hob sie die besondere Nähe zwischen den Aktiven und dem Publikum am Nordufer des Maschsees hervor.
„Wir haben bereits am Freitag gute Rennen in den Einern und Para-Einern erlebt“, bilanzierte Carsten Böhning, Leiter des Organisationsteams der Ruder-Bundesliga, die ebenfalls auf der Finals-Sprintdistanz ausgetragen wird. „Besonders hervorzuheben ist die Stimmung am Maschsee. So viele Zuschauerinnen und Zuschauer sind beim Rudern leider nicht immer vor Ort. Durch das Event der Finals erfahren wir einen großen Zulauf und starke Zuschauerzahlen, die die Ruderinnen und Ruderer natürlich noch einmal zusätzlich pushen.“
Para-Mixed-Doppelzweier eröffnen den zweiten Wettkampftag
Am Samstag standen zunächst die Entscheidungen im Para-Mixed-Doppelzweier auf dem Programm. Kathrin Marchand vom RTHC Bayer Leverkusen und Valentin Luz von der Frankfurter Rudergesellschaft Germania sicherten sich gemeinsam die Goldmedaille. Hermine Krumbein und Felix Heinrich vom Ruderklub Normannia gewannen Silber.
Sweepboys fordern den Deutschlandachter - doch dieser sprintet bei den Finals zu Gold
Mission erfüllt: Der Deutschland-Achter hat sich bei den Finals in Hannover in einem spannenden Finale durchgesetzt und sich den deutschen Meistertitel über die 350-Meter-Sprintdistanz gesichert. Auch der zweite Achter vom Stützpunkt Dortmund überzeugte und sicherte sich Bronze auf dem Maschsee.
Für die Crew des Deutschland-Achters war dies der erste Wettkampf in der nach dem Weltcup in Luzern geänderten Besetzung mit Frederik Breuer auf der Schlagposition, Sönke Kruse, Julius Christ, Tassilo von Müller, Mattes Schönherr, Olaf Roggensack, Theis Hagemeister, Paul Klapperich und Jonas Wiesen.am Steuer.
Gleichzeitig bildete die Regatta den Abschluss eines intensiven Vorbereitungs-Trainingslagers auf die Europameisterschaften und eine willkommene Gelegenheit, im Sprintbereich noch einmal weitere Reize zu setzen.
Bereits im Time Trial wartete die erste Herausforderung. Gegen die auf Sprintdistanzen spezialisierten Teams der Ruder-Bundesliga zeigte sich von Beginn an, dass die Konkurrenz einen heißen Kampf liefern würde. In der ersten Runde mussten sich die beiden Achter vom Stützpunkt Dortmund den „Sweepboys Hamburg“ – Führender der Ruder-Bundesliga – knapp geschlagen geben. Der Deutschland-Achter und der zweite Dortmunder Achter landeten dahinter. Für die Dortmunder Crews war das zusätzliche Motivation.
Immer wieder Duelle mit Hamburg
Im Viertelfinale ließen beide Dortmunder Achter nichts anbrennen und zogen souverän in die nächste Runde ein. Während sich der Deutschland-Achter anschließend im Halbfinale deutlich gegen die Boote aus Mainz, Frankfurt und Minden durchsetzte, entwickelte sich das zweite Halbfinale zu einem echten Krimi. Dort musste sich der zweite Achter mit der Vierer- und Zweierbesatzung, den Ersatzathleten sowie Steuermann Till Martini den Hamburgern hauchdünn geschlagen geben. Beide Crews qualifizierten sich dennoch für das Finale.
Packendes Finale
Dort entwickelte sich ein packendes Rennen. Die Hamburger, mit dem ehemaligen Deutschland-Achter-Ruderer Marc Kammann auf der Schlagposition, erwischten den besseren Start und lagen zunächst knapp in Führung. Doch der Deutschland-Achter arbeitete sich Schlag für Schlag zurück und nutzte seine Geschwindigkeit auf den letzten Metern konsequent aus. Im Ziel hatte die Crew die Bugspitze vorne und sicherte sich den deutschen Meistertitel vor Hamburg. Der zweite Dortmunder Achter belegte Rang drei, gefolgt vom Germania-Achter aus Frankfurt.
Emke: „Gut umgesetzt“
„Es war eine gute Möglichkeit, hier Rennen zu fahren. Im Finale haben wir ein spannendes Rennen erlebt. Die Hamburger waren auf den 350 Metern ein spezieller Gegner, aber wir waren heiß darauf zu gewinnen – und die Jungs haben das am Ende gut umgesetzt“, sagt Bundestrainer Mark Emke. Auch Bundestrainerin Sabine Tschäge zog ein positives Fazit. Sie betreute in Hannover den zweiten Achter. „Es war eine gute Veranstaltung. Unsere Achter haben sich ordentlich in Szene gesetzt und die Atmosphäre war hervorragend. Es war unglaublich viel los“, so Tschäge. Diese Eindrücke teilte auch René Schmela, Schlagmann des zweiten Achters: „Es hat richtig Spaß gemacht. Die Stimmung mit den Zuschauern war großartig, aber auch unter den Sportlern herrscht hier eine besondere Atmosphäre. Man feuert sich gegenseitig an. Das macht die Finals zu einer besonderen Veranstaltung.“
Nächstes Ziel: EM in Varese
Durch die große TV-Übertragung bei ARD und ZDF konnten das Team Deutschland-Achter und die Ruder-Bundesligisten auch ein Stück weit Werbung für den Rudersport machen. Nach intensiven Wochen im Trainingslager in Ratzeburg und dem Sprint-Wettkampf bei den Finals steht für die Riemen-Nationalmannschaft nun eine kurze Verschnaufpause an. „Alle sind froh, einmal kurz durchatmen zu können“, sagt Tschäge. Drei Tage verbringen die Athleten zu Hause, dann steht mit den Europameisterschaften in Varese schon der nächste Wettkampf vor der Tür. Ganz ohne Training bleibt die Pause allerdings nicht: Nach individuellen Trainingsplänen arbeiten die Sportler bereits auf den nächsten Saisonhöhepunkt hin.
Besetzung bei den Finals:
Deutschland-Achter: Frederik Breuer, Sönke Kruse, Julius Christ, Tassilo von Müller, Mattes Schönherr, Olaf Roggensack, Theis Hagemeister, Paul Klapperich, Jonas Wiesen.
Deutschland-Achter 2: René Schmela, Leonard Brahms, Tobias Strangemann, Benedict Eggeling, Hanno Brach, Max John, Jasper Angl, Till Martini.
Rudergemeinschaft auch an Land spürbar
Die Finals waren jedoch nicht nur auf dem Wasser ein besonderes Erlebnis. Auch rund um die Bootshäuser und auf der Finals-Meile zeigte sich der starke Zusammenhalt innerhalb des Rudersports. Athletinnen und Athleten unterschiedlicher Bootsklassen und Vereine kamen zusammen, unterstützten sich gegenseitig und suchten den Austausch mit den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern.
Damit präsentierte sich das Rudern nicht nur als leistungsstarker und dynamischer Wettkampfsport, sondern auch als Gemeinschaft, die von Teamgeist, gegenseitiger Unterstützung und dem Engagement vieler Beteiligter lebt.
„Wir haben in diesen zwei Tagen das Beste aus dem Rudersport herausgeholt und konnten auch medial eine tolle Darstellung anbieten. Ich glaube, dass alle Beteiligten mit den Rennen sehr zufrieden waren“, lautete das positive Fazit.
Ausblick für die RTHC-Athletinnen und Athleten:
Am kommenden Wochenende (31. Juli bis 2. August) finden in Varese (Italien) die Europameisterschaften statt. Der RTHC Bayer Leverkusen ist mit drei Athleten und einem Trainer vertreten: Daniel Müller startet im PR3-Mixed-Vierer mit St., Julius Christ im Achter und Kathrin Marchand im PR3-Mixed-Doppelzweier, der von Ralf Müller betreut wird.
Vom 6. bis 9. August werden in Plovdiv (Bulgarien) die U19-Weltmeisterschaften ausgetragen. Jonna Thiebes startet im Juniorinnen-Achter.
Zu beiden Titelkämpfen sind die aktuellen Informationen und Live-Berichterstattungen auf www.worldrowing.com zu finden.
Außerdem wird am 1. August der Kölner Stadtachter ausgetragen. Wie im letzten Jahr ist das Rennen in die Kölner Lichter eingebettet und findet als Mixed-Rennen statt. Der RTHC geht mit folgenden Athleten und Athletinnen an den Start: Matthias Haggenei, Timo Krings, Takatomo Furumai, Eva Grosjean, Katharina Schulz, drei weiteren Athletinnen und Athleten aus Krefeld und Gießen sowie Lou Haggenei am Steuer.